Im Herbst sind Igel vermehrt auf der Suche nach Nahrung und einem geeigneten Winterquartier. Doch nicht jedes Tier, das unterwegs ist, braucht menschliche Hilfe. Worauf sollte man achten und wie können Gartenbesitzer Igel unterstützen?
Ob ein Igel Hilfe benötigt, zeigt sich vor allem an seinem Allgemeinzustand. «Nicht jeder Igel, den man im Herbst sieht, braucht Hilfe. Entscheidend ist der Gesamteindruck des Tieres», erklärt Bleichenbacher. Ein gesundes Tier wirkt rundlich, ist aktiv und rollt sich bei Berührung zu einer festen Kugel zusammen. Torkelt ein Igel, hustet oder röchelt er, weist Verletzungen auf oder rollt sich kaum ein, sollte genauer hingeschaut werden. Auch eine deutlich eingefallene Taille kann darauf hinweisen, dass das Tier zu mager ist. Auch ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, ist nicht automatisch krank. Igel sind grundsätzlich nachtaktiv, gerade Jungtiere können im Herbst aber auch tagsüber nach Nahrung suchen. «Es ist ein Warnsignal, aber noch kein Beweis dafür, dass der Igel krank ist», sagt Bleichenbacher.
Gesunde Igel finden ihre Nahrung grundsätzlich selbst. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Insekten, Käfer, Raupen, Spinnen und Regenwürmer. Eine gezielte Zufütterung kann bei untergewichtigen Jungigeln im Spätherbst sinnvoll sein, wenn es kalt wird und das natürliche Nahrungsangebot knapp ist. «Nicht jeden Igel füttern», betont Bleichenbacher. «Wenn doch sind beispielsweise Katzen-Nassfutter und frisches Wasser geeignet. Auf Milch, Brot, Obst, Nüsse oder andere pflanzliche Lebensmittel sollte verzichtet werden», so die Tierärztin weiter. «Wird ein verletzter, kranker oder sehr kleiner Igel gefunden, sollte möglichst rasch eine Igel-Fachstelle oder ein Tierarzt kontaktiert werden.» Bis dahin kann das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch aufgenommen und in einer mit Zeitung ausgelegten, ausreichend hohen Kartonschachtel untergebracht werden. «Ist der Igel unterkühlt, kann er vorsichtig mit einer lauwarmen Wärmeflasche gewärmt werden. Besonders kleine Jungigel sollten möglichst schnell einer Fachperson übergeben werden», rät Bleichenbacher.
Gartenbesitzer können bereits mit einfachen Massnahmen viel bewirken. «Eigentlich braucht es dafür erstaunlich wenig. Ein naturnaher Garten ist bereits eine grosse Hilfe», erklärt die Tierärztin. Laub-, Ast- und Reisighaufen bieten Verstecke und Winterquartiere. Auch Hecken, Sträucher, einheimische Pflanzen und kleine Durchgänge zwischen Gärten helfen den Tieren. Schächte sollten abgedeckt und Teiche beziehungsweise Wasserstellen sicher gestaltet sein. Besondere Vorsicht ist bei Gartenarbeiten geboten. Laub- und Asthaufen sollten nicht unbedacht mit einer Stechgabel bearbeitet werden. Mähroboter sollten nur tagsüber laufen. So wird die Chance, einen Igel zu gefährden, um einiges reduziert, da die Tiere grösstenteils nachts unterwegs sind. Und vor dem Mähen von dichtem Gras oder unter Sträuchern sollte der Bereich kontrolliert werden. Für die kommenden Herbstwochen hat Stephanie Bleichenbacher einen einfachen Rat: «Die Igel wären vor allem um etwas mehr Gelassenheit und etwas weniger Perfektion im Garten froh.» Ein Laubhaufen, ein Stück wilde Wiese oder ein Asthaufen, der nicht sofort weggeräumt wird, kann für die Tiere bereits sehr wertvoll sein.