«Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie als Kind einen Strich malten und fest davon überzeugt waren, er sei eine Schildkröte?» Mit diesen Worten eröffnete Petra Stoios, Stadträtin und Präsidentin der Kulturkommission, die Preisverleihung am Montagabend. Zahlreiche Kulturinteressierte fanden den Weg ins Kulturforum. «Aus dieser kindlichen Unbeschwertheit sind wir irgendwann herausgewachsen, begannen, uns zu vergleichen und uns zu fragen: ‹Ist das gut genug?›», setzte Stoios ihre Ansprache fort. Sie schloss ihre Rede mit einem Zitat von Pablo Picasso: «Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist nur, Künstler zu bleiben, wenn man erwachsen wird.»
Der Kulturpreis ehrt Menschen, die mit ihrem Schaffen Spuren hinterlassen und Amriswil Leben einhauchen. Bereits vor einem Jahr stand fest, dass der Kulturpreis an Regula Stüdli und ihren Partner Johan Herak gehen würde. Kulturkommissionsmitglied und Bekannte des Künstlerpaars, Gabriela Kradolfer, diente damals als Lockvogel. «Petra Stoios und ich überraschten Regula Stüdli in einem Restaurant und teilten ihr persönlich mit, dass der Kulturpreis 2026 an das Atelier Stüdli gehen wird», erzählte der Moderator Andreas Müller. Nach der gelungenen Überraschung stand rasch fest, dass Gabriela Kradolfer auch die Laudatio halten sollte. «Heute richte ich das Scheinwerferlicht auf das Atelier Stüdli und den wunderbaren Menschen dahinter», begann sie ihre Rede. Sie zeigte dem Publikum kleine Ausschnitte aus den Werken des Künstlerpaars, bevor sie das gesamte Bild erkennen liess. «Danke, dass ihr euch entschieden habt, aus dem grossen Kanton Zürich in den Thurgau zu kommen und Amriswil mit Leben und Kultur zu bereichern», schloss Kradolfer. Mit tobendem Applaus nahmen Regula Stüdli und Johan Herak den Preis entgegen: «Ich bin tief berührt. Danke, denn Leben mit Kultur geht nur mit Menschen, die sich dafür auch interessieren.»
Für Unterhaltung zwischen den Preisübergaben sorgten «Schäbyschigg». Die fünf Musiker verbinden traditionelle Klänge mit modernen Einflüssen und einer Prise Humor. «‹Schäbyschigg› beweist vor allem eines: Musik soll Freude machen», sagte Andreas Müller und leitete damit zur Stadtharmonie Amriswil und zur Verleihung des Anerkennungspreises über. Von dem Preis erfahren hat die Stadtharmonie von Petra Stoios an ihrer Hauptversammlung. «Mit dem Anerkennungspreis zeigt die Stadt Amriswil, dass sie die unzähligen Proben, das Durchhaltevermögen und den Willen, dranzubleiben, sieht und schätzt», so Stoios. Die Laudatio auf die Stadtharmonie hielt Kulturkommissionsmitglied, Stadtrat und ehemaliges Vereinsmitglied Samuel Svec. «Ich freue mich sehr, heute den Anerkennungspreis übergeben zu dürfen. Es ist für mich sozusagen eine Familienangelegenheit», eröffnete Svec. «In meiner Kindheit war die Stadtharmonie omnipräsent. Ich hoffe auf weitere 150 Jahre.» Präsident Alen Steiner nahm den Preis stellvertretend für den gesamten Verein entgegen: «Es tut gut zu spüren, dass unser Engagement, die Freude an der Musik und die unzähligen Stunden wertgeschätzt werden.» Mit einem Apéro, offeriert von der Stadt, klang der Abend gemütlich aus.