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Ein Zuhause für die letzte Lebensphase

17. September 2026
Die Hospizwohnung in Amriswil bietet schwer kranken Menschen einen Ort, an dem sie ihre letzte Lebensphase selbstbestimmt und in vertrauter Atmosphäre verbringen können. Bisher blieb sie ungenutzt.

Im Neubau der Alterswohnungen an der Alleestrasse 11 gibt es eine ganz besondere Wohnung. Beim Betreten der 2,5-Zimmer-Wohnung ist anfangs keine Besonderheit zu entdecken. Lediglich das Reduit mit Ersatzbett und Rollstuhl sowie das Pflegebett im Schlafzimmer geben einen Hinweis darauf, dass es sich um keine gewöhnliche Wohnung handelt. «Vergangenen September haben wir den Verein Hospiz Oberthurgau gegründet und die Hospizwohnung ist seit Februar 2026 bezugsbereit», sagt Miriam Jäckle, Präsidentin des Vereins.

Für ein selbstbestimmtes Lebensende

«Die Hospizwohnung ist vor allem für Situationen gedacht, die in der letzten Phase des Lebens nicht 08/15 sind», betont Jäckle. Damit sind unter anderem schwer kranke Menschen gemeint, die weder zu Hause noch in einem Altersheim sterben möchten oder können. «Ich denke da auch an junge Familien, die danach im eigenen Zuhause weiterwohnen möchten», so die Präsidentin. Mit der Hospizwohnung gibt es die Möglichkeit, sein Lebensende selbstbestimmt zu gestalten und im Ernstfall trotzdem rasch Hilfe zu bekommen. «Bei Bedarf stehen die Spitex sowie das Personal des Alters- und Pflegezentrums den Bewohnenden zur Verfügung. Auch der palliative Hospizdienst kann eingesetzt werden», erklärt Miriam Jäckle. So soll ein Einzug möglichst unkompliziert organisiert werden können.

Nicht für jede Situation geeignet

«Wir haben einige Kriterien, die erfüllt sein müssen, um in die Hospizwohnung einziehen zu können», verrät Jäckle. So muss die Person 18 Jahre alt sein und eine Reanimation klar ablehnen. «Der Hausarzt muss die Zusammenarbeit mit ‹Palliative Plus› bestätigen. Wir haben Ärzte in Amriswil, die die Patienten übernehmen könnten, sollte der eigene Hausarzt nicht unterstützen», erklärt sie. Nicht geeignet für den Einzug in die Hospizwohnung sind Menschen, die eine instabile Versorgungssituation haben: «Eine 24-Stunden-Betreuung durch medizinisches Fachpersonal ist nicht möglich. Die Klienten sollten einige Stunden allein oder mit Angehörigen zurechtkommen.» Notfalleintritte sind nicht möglich. «Wir benötigen etwa eine Woche Vorlaufzeit», sagt Jäckle. Wer in die Hospizwohnung möchte, der meldet sich zuerst bei der Geschäftsstelle im Alters- und Pflegezentrum Amriswil. «Danach führt die Spitex eine Bestandsaufnahme durch.» Der Verein Hospiz Oberthurgau geht von einer durchschnittlichen Aufenthaltszeit von zwei bis drei Monaten aus. «Es kann aber auch sein, dass eine Klientin oder ein Klient kürzer oder länger in der Wohnung wohnt», betont Jäckle. 

Gut vorbereitet für den Notfall

Beim Eintritt wird für die Klienten ein Notfallplan erarbeitet. «Das heisst, dass man bereits zu Beginn festlegt, welche Medikamente beispielsweise bei Atemnot oder Schmerzen verabreicht werden dürfen», sagt Miriam Jäckle. Die Kosten für die Hospizwohnung betragen rund 116 Franken pro Tag: «Mit dabei sind die Unterkunft ohne Verpflegung, eine Betreuungspauschale sowie der Notruf Medicall», erklärt die Präsidentin. Zudem besteht die Möglichkeit, Zusatzleistungen wie einen Mahlzeitendienst oder Speisen im APZ dazuzubuchen. 

Ein Zuhause in schwierigen Zeiten

Die Hospizwohnung hatte seit ihrer Eröffnung bereits einige Interessenten, eingezogen ist jedoch noch niemand. «Die Kriterien eines Einzugs haben bisher noch nicht gepasst. Das ist für mich gar kein schlechtes Zeichen», sagt Jäckle. «Ich wünsche mir, dass die Hospizwohnung ein Zuhause sein kann, in schwierigen und nicht alltäglichen Situationen.»     

Miriam Jäckle, Präsidentin des Vereins Hospiz Oberthurgau, hat die Wohnung und das Wohnzimmer mit viel Liebe zum Detail eingerichtet.
Miriam Jäckle, Präsidentin des Vereins Hospiz Oberthurgau, hat die Wohnung und das Wohnzimmer mit viel Liebe zum Detail eingerichtet.
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