Morgen hat das Warten ein Ende: Ab 17 Uhr können Kulturinteressierte an über 30 Standorten in Amriswil Kunst und Kultur geniessen. An der fünften Kulturnacht sind auch Künstlerinnen und Künstler aus der Partnerstadt Radolfzell vertreten.
«Meine ersten Monster entstanden auf Skateboards, später auf Leinwänden, Strassenschildern und Wänden», sagt Fatin Rahmouni. Für die Künstlerin sind die Monster keine Fantasiewesen mit festgelegten Rollen, sondern emotionale Begleiter. «Sie stehen für unterschiedliche Gefühle, innere Zustände und all die Seiten in uns, die nicht immer sofort sichtbar sind», betont sie. Die Künstlerin möchte dazu einladen, nicht vorschnell zu urteilen, neugierig zu bleiben und hinter die sichtbare Oberfläche zu schauen.
Zur Streetart kam Rahmouni durch ihren Wunsch, Kunst aus den klassischen Ausstellungsräumen heraus und unmittelbar zu den Menschen zu bringen. Die Radolfzellerin malt an der Kulturnacht eines ihrer Werke live beim ehemaligen «Hotel Bahnhof». «Bei einem Live-Painting verändert die Anwesenheit des Publikums die Atmosphäre und damit auch meine Arbeit», verrät Fatin Rahmouni. Gespräche, Bewegungen und Reaktionen fliessen unbewusst in den Prozess ein. «Das Werk entsteht dadurch nicht isoliert, sondern in direkter Verbindung mit dem Ort und den Menschen», sagt sie.
Eine Verbindung mit den Menschen baut auch Michael Haaga zu seinem Publikum auf. Der blinde Texter und Komponist präsentiert seine Werke um 17 Uhr und um 21.30 Uhr im ehemaligen evangelischen Kirchgemeindehaus. «Ich habe schon an verschiedenen Orten gespielt und es macht mir immer wieder besondere Freude, vor neuem Publikum zu spielen», sagt Haaga. Dabei ist sich der Musiker bewusst, dass seine Lieder sehr persönlich sind: «Ich finde es gut, wenn Menschen ihre Persönlichkeit nicht verstecken. Das tue ich auch nicht.» Die Ideen zu seinen Werken kommen meist spontan. «Es geschieht in Situationen, die mich emotional extrem betreffen.» Haaga begleitet seinen Gesang mit Klavier und einer Mundharmonika. «Durch sie erhalten die Stücke eine andere Klangfarbe», erklärt er. Wichtig sei bei seinen Stücken vor allem das Zuhören: «Meine Lieder sind alle sehr gefühlvoll und nicht dazu gedacht, sie nebenher zu hören.»
Die junge Radolfzellerin Laura Rössiger kann an der Kulturnacht aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Informationen zu allen Künstlerinnen und Künstlern gibt es unter kulturnacht.ch.
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