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Ein Ort für ein würdevolles Gehen

25. September 2025
Mit den Alterswohnungen wurde am Samstag auch die Hospizwohnung eröffnet, welche
künftig schwerkranken und sterbenden Menschen einen Ort bietet, sich in Ruhe auf die letzte Reise vorbereiten zu können. Finanziert wird das Projekt in erster Linie mit Spenden und durch Vereinsmitglieder.

Miriam Jäckle, seit Kurzem gibt es in Amriswil eine Hospizwohnung. Was genau versteht man darunter?
Eine Hospizwohnung ist ein zu Hause für schwerkranke, sterbende Menschen, welche aufgrund verschiedener Faktoren nicht mehr in ihrem häuslichen Umfeld leben können. Dass kann zum Beispiel eingeschränkte Mobilität und Bedarf an einer barrierefreien, rollstuhlgängigen Wohnung bedeuten, erhöhter Bedarf an pflegerischer Unterstützung ist bereits vorhanden oder aufgrund der Krankheitsentwicklung absehbar, eine komplexe Palliative Situation, welche durch ein interdisziplinäres Team ganzheitlich betreut werden kann oder das können aber auch jüngere Menschen sein, die ihre letzte Lebensphase nicht in einem Pflegeheim verbringen möchten. Die Hospizwohnung bietet ein Ort, an dem auch Angehörige rund um die Uhr dabei sein und sich wohl fühlen können

Wer kann die Wohnung mieten?
Schwerkranke, sterbende Menschen, bei denen eine Heilung leider nicht mehr möglich ist.

Sind Mitarbeitende der Spitex, Ärzte oder weiteres medizinisches Personal ebenfalls in der Wohnung, wenn ein Patient diese mietet?
Palliative Situationen und Sterbebegleitungen sind sehr individuell. So ist auch unser Betreuungsnetz aufgebaut. Die erkrankten Menschen in der Hospizwohnung leben dort grundsätzlich allein. Sie werden von der Spitex gepflegt, betreut und behandelt. Dies auch in enger Zusammenarbeit mit dem Alters- und Pflegezentrum, den Hausärzten, den Palliativdiensten, der Seelsorge und den freiwilligen Betreuungspersonen des Hospizdiensts Thurgau. So soll, wenn nötig, auch eine 24h Betreuung sichergestellt werden. Natürlich spielen hier auch die Angehörigen eine zentrale Rolle.

Wie lange wird die Wohnung vermietet?
Das kann unterschiedlich sein, da wir die Wohnung bis zum Lebensende vermieten. Es kann sich um Wochen oder auch Monate handeln.

Zu welchen Kosten?
Für die Vermietung der Wohnung werden wir uns an den Tarifen vom APZ orientieren. Die verschiedenen Spitexleistungen können via Krankenkasse abgerechnet werden, bei Bedarf kann zum Beispiel ein Mahlzeitendienst gebucht werden, die Betreuung ist kostenlos. In finanziellen Notsituationen kann der Fonds des Hospiz Unterstützung bieten – auch hierfür ist der Verein auf Spenden angewiesen.

Wem gehört die Wohnung, wer vermietet sie?
Die Wohnung gehört, wie auch die restlichen Alterswohnungen, zum Alters- und Pflegezentrum. Das APZ vermietet die Wohnung dem Verein Hospiz Oberthurgau. Wir gehen von einer 50 Prozent- Auslastung aus und sind daher auf Spenden und Vereinsmitglieder angewiesen. Die Wohnung wird durch unseren Verein möbliert und wohnlich eingerichtet. Wir sind aktuell dabei, bei Möbelhäusern um Sachspenden anzufragen und hoffen auf eine grosszügige Unterstützung.

Wo meldet man sich, wenn man die Wohnung mieten möchte?
Bei unserer Geschäftsstelle. Dieses Mandat hat die Administration vom APZ übernommen und wird ebenfalls durch den Verein für die Arbeitsleistungen finanziert. Erreichbar ist sie unter info@hospiz-oberthurgau.ch oder via Telefon 071 414 34 34.
 
Wie verläuft das Verfahren? 
Es gibt verschiedene Zuweisungsmöglichkeiten. Diese können die Spitex, die Hausärzte, die Spitäler und die Angehörigen sein. Die Anmeldung erfolgt über die Geschäftsstelle des Vereins Hospiz Oberthurgau. Die Spitex übernimmt dann die Bedarfsabklärung. Sie prüfen, ob die Einschlusskriterien vorhanden sind und ob unser Leistungsangebot die Bedürfnisse des schwerkranken Menschen abdecken können. Um den Eintritt reibungslos zu gestalten, benötigen wir eine Vorlaufzeit von einer Woche. Notfalleintritte sind somit nicht möglich. Eine gute Ärztliche und Palliative Abdeckung ist elementar, damit adäquat auf die Symptome reagiert werden kann.

Wo haben Menschen weitere Möglichkeiten, einen Ort für die letzte Reise zu finden?
Es gibt in Weinfelden, Kreuzlingen und Frauenfeld weitere Hospizwohnungen. Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Angebot nun auch für die Region Oberthurgau haben. Bekannt ist bestimmt auch das Hospiz in St. Gallen. Zudem leisten den grössten Anteil in der Sterbebegleitung weiterhin die Pflegeheime und die Spitex.
Mehr: www.hospiz-oberthurgau.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

Miriam Jäckle (l.) und Marina Bruggmann vom Verein Hospiz Oberthurgau.
Miriam Jäckle (l.) und Marina Bruggmann vom Verein Hospiz Oberthurgau.
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