«Als Komiker bilde ich die Wirklichkeit ab, als Zauberer kreiere ich neue Realitäten», beschreibt Michel Gammenthaler den Unterschied zwischen seinen beiden Tätigkeiten. «Ich verkörpere zwei Rollen, die sich gegenseitig schon fast ausschliessen. Gerade deshalb sind sie für mich so reizvoll.» Gammenthaler begegnet seinem Publikum beim Lachen auf Augenhöhe: «Wenn ich mit der Beschreibung meiner eigenen Unzulänglichkeiten den richtigen Nerv treffe, entsteht ein Gefühl von Gemeinsamkeit.» Der Zauberer dagegen, so scheint es, trotzt allen Widrigkeiten. «Leider kann ich nicht wirklich zaubern», schmunzelt er, «doch ich bin inzwischen gut, so zu tun, als ob ich es könnte.»
Michel Gammenthaler tritt heute, am 23. Oktober, um 20.15 Uhr mit seinem Programm «Impossible» im Kulturforum Amriswil auf. Er zeigt, wie aus alltäglichen Situationen scheinbar unlösbare Probleme werden. «Ich bin beeindruckt, dass unser Leben trotz unzähliger Verbesserungen, Erfindungen und KI oft nicht einfacher, sondern komplizierter geworden ist», sagt er. Eine Mitteilung, dass man im Kundencenter etwas «ganz bequem online erledigen kann», empfindet Gammenthaler als blanken Hohn: «Die Kundschaft darf sich heute selbst betreuen. Verrückt.»
Mit seinen Alltagsbeobachtungen schafft Gammenthaler den Übergang zur Interaktion mit dem Publikum. «Sie ist das Salz in der Suppe», betont er. Seine Auftritte sind keine Einbahnstrasse und somit auch für den Komiker selbst jedes Mal spannend. «Ich kann kontrollieren, was ich in den Raum schicke, was zurückkommt allerdings nicht.» Michel Gammenthaler möchte sein Publikum für einen Moment an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Illusion abholen: «Ich hoffe auf Momente, in denen man für einen Augenblick vergisst, dass eigentlich gar nicht möglich ist, was man gerade erlebt.»