Gestern Morgen trafen sich im Mehrzwecksaal des Alters- und Pflegezentrums Amriswil (APZ) Vertreter der Stadt, des APZ und der Spitex Oberthurgau mit den Medien. Stadtpräsident Gabriel Macedo, Stadtrat und Präsident der Alters- und Gesundheitskommission Claude Brunner, APZ-Leiter Dominique Nobel und Co-Leiterin der Spitex Oberthurgau Maja Kradolfer Mettler informierten über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe «Zukunft APZ». «Wir stellen Ihnen die wichtigsten Erkenntnisse sowie die nächsten strategischen Schritte vor», begrüsste Claude Brunner.
Die Arbeitsgruppe erhielt Anfang dieses Jahres den Auftrag, eine belastbare Auslegeordnung zu erarbeiten. Im Fokus standen die Entwicklung des Bedarfs, die bestehenden Angebote in Amriswil und der Region, künftige Wohn-, Betreuungs- und Pflegemodelle sowie die räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten des heutigen APZ-Areals. «Dazu untersuchten wir die demografische Entwicklung, die regionale Versorgungslandschaft sowie ambulante und intermediäre Angebote und bauliche Möglichkeiten», informierte Brunner. Zudem flossen die Perspektiven von Stadtrat, APZ, Betreutem Wohnen, Spitex Oberthurgau, Stiftung Liebenau und externen Fachpersonen ein: «Das Ergebnis ist klar: Zusätzliche Pflegeplätze bleiben notwendig.» Stationäre und ambulante Angebote müssen aufeinander abgestimmt werden. «Gleichzeitig wollen wir für die Zukunft nichts verbauen», betont er. Deshalb wird eine etappenweise Entwicklung des APZ geprüft.
«Zu den zentralen Aufgaben einer Stadt gehört auch die Alters- und Gesundheitsvorsorge», sagte Stadtpräsident Gabriel Macedo. Ziel ist es, dass ältere Menschen möglichst lange selbständig und gut versorgt in Amriswil leben können. «Die Ausgangslage in Amriswil ist gut. Wir haben ein starkes APZ, 97 städtische Alterswohnungen, eine leistungsfähige Spitex sowie private Angebote», betonte Macedo. Die Zahlen zeigen jedoch, dass ohne weitere Schritte mittel- und langfristig eine Versorgungslücke droht. «Mit einem schrittweisen Weg schaffen wir fachliche und planerische Grundlagen.» Über konkrete Investitionen werde erst entschieden, wenn Vorprojekte, Kosten, Finanzierung und Bewilligungen geklärt seien. Auch die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern wie der Stiftung Liebenau mit dem Pflegeheim Debora sei wichtig: «Die Stadt unterstützt sie deshalb aktiv.»
Das APZ ist heute aus betrieblicher Sicht bereits stark gefordert: «Die sehr hohe Auslastung lässt kaum Reserven», sagte APZ-Leiter Dominique Nobel. Der Bedarf steige insbesondere bei Demenz, Hochaltrigkeit und komplexem Betreuungsbedarf. «Zusätzliche klassische Pflegeplätze sollen so weit wie möglich am bestehenden Standort konzentriert werden», betont er. Hier sind Pflege, Betreuung, Gastronomie, Infrastruktur und Personal gebündelt. «Als erste realistische Etappe wird darum die Aufstockung des C-Trakts mit rund 22 zusätzlichen Pflegeplätzen vertieft», informierte Nobel. Der Stadtrat beauftragte die Betriebskommission mit der Ausarbeitung eines Vorprojekts zur Weiterentwicklung des APZ. Dieses umfasse neben den Pflegezimmern auch weitere bauliche und betriebliche Fragen, insbesondere die Kücheninfrastruktur. Dafür werden rund 220’000 Franken in den Investitionsplan aufgenommen. «Das Vorprojekt ist aber noch kein Bauentscheid», betonte Nobel. «Es soll Machbarkeit, Ausgestaltung, betriebliche Abläufe, Kosten und Wirtschaftlichkeit klären, damit danach fundiert entschieden werden kann.» Weitere Etappen bleiben möglich: «Alterswohnungen im C-Trakt können später in zusätzliche Pflegezimmer umgenutzt, eine Erweiterung gegen Süden geprüft und mögliche Landreserven frühzeitig gesichert werden», so Nobel. Neue Pflegeplätze benötigen zudem eine Bewilligung und können frühestens ab 2030 in Betrieb gehen. «Das APZ hat die erforderlichen Grundlagen eingereicht und bereitet noch ausstehende Nachweise vor», ergänzte er.
Zusätzliche Pflegeplätze sind laut APZ-Leiter jedoch nur ein Teil der Antwort. In Zusammenarbeit mit der Spitex Oberthurgau ist deshalb das Projekt «home+» geplant. «Die Spitex Oberthurgau und das bestehende betreute Wohnen in Alterswohnungen decken in Amriswil bereits einen grossen Teil der Bedürfnisse ab», sagte Maja Kradolfer Mettler. Eine Lücke bestehe vor allem nachts bei Unterstützungs- oder erhöhtem Sicherheitsbedarf sowie im Bereich der ambulanten Betreuung. «In diesen Situationen erfolgt ein Heimeintritt, obwohl eine stationäre Langzeitpflege noch nicht zwingend erforderlich wäre», betont sie. Hier setzt «home+» an: «Es ist ein ergänzendes Versorgungsmodell zwischen ambulanter Pflege und stationärer Langzeitpflege.» Das Angebot richtet sich an ältere Menschen – unabhängig von ihrer Wohnform. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Claude Brunner erarbeitet zunächst ein Konzept. Im Fokus stehen das fachliche Angebot, Rollen und Verantwortlichkeiten, mögliche Betriebsmodelle und eine tragfähige Finanzierung. Dabei gilt es auch, die unterschiedlichen Finanzierungsregeln für Pflege- und Betreuungsleistungen zu berücksichtigen. Die nächsten Schritte sollen nun zeigen, wie die Alters- und Gesundheitsversorgung in Amriswil langfristig weiterentwickelt werden kann.
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| Bericht Strategische Weiterentwicklung der Alters- und Gesundheitsversorgung in Amriswil (PDF, 1.47 MB) | Download | 0 | Bericht Strategische Weiterentwicklung der Alters- und Gesundheitsversorgung in Amriswil |