«Es ist bereits 17 Jahre her, dass ich Schlossherr Andi Angehrn zum ersten Mal begegnet bin», erinnert sich Florian Rexer, Mitgründer und künstlerischer Leiter der Schlossfestspiele Hagenwil. Es ist ein schöner Tag und der Wassergraben um das Schloss Hagenwil glitzert im Sonnenlicht. Mit einem Lächeln im Gesicht blickt Rexer auf das imposante Schloss. «Hier ist ein historischer Ort. Doch er ist nicht etwa ein Museum oder eine Ruine. Es ist ein lebendiges Schloss mit Menschen und Begegnungen», betont er. Eben diese Lebendigkeit ist auch der Grundpfeiler der Schlossfestspiele.
Ein Schloss als Bühne
Gestartet ist Florian Rexer gemeinsam mit Andi Angehrn und Roman Bottlang und der Idee, auf einem Schloss Theater zu machen. «Dafür sind bis heute zwei Dinge entscheidend: der Schlossherr, der das Gebäude und die Menschen darin kennt, und der Theatermacher mit seinen Ideen», sagt er. Die Grundidee der Stücke, die der künstlerische Leiter ins Leben ruft, ist stets die gleiche: «Es braucht Geschichten, bei denen sich das Publikum vorstellen kann, dass sie sich an diesem wunderschönen Ort ereignet haben könnten.» Auch wenn die Stücke manchmal in einer anderen Zeit spielen, soll es für die Besucherinnen und Besucher nachvollziehbar sein, so Rexer. «Es gibt nicht viele Wasserschlösser auf der Welt und erst recht nicht viele, die so belebt sind wie das hier in Hagenwil», sagt er stolz.
Wenn das Wetter Regie führt
Genau diese malerische Kulisse hat ihre Vor- und Nachteile, weiss der Theatermacher: «Wir müssen uns zwar den Gegebenheiten der Bühne anpassen, dafür brauchen wir nicht extra einen Schlosshof nachzubauen, wie das beispielsweise das Theater St. Gallen muss.» Am herausforderndsten für ein Freiluftspiel ist meist das Wetter: «Regen und Wind können eine Vorstellung gefährden oder sogar unmöglich machen», verrät Florian Rexer. Doch auch die Technik hat manchmal ihre Tücken. «Für die Schauspieler ist es anders zu sprechen als in einem geschlossenen Raum.»
Hinter den Kulissen
«Bei einer Produktion arbeiten rund 20 bis 50 Personen mit», weiss der künstlerische Leiter. Egal ob in der Maske, im Kostüm, in der Technik, in der Gastronomie oder auf der Bühne. Jede und jeder wird gebraucht. «Für ein Stück stehen allein zehn bis 20 Personen auf der Bühne. Das ist immer beeindruckend.» Das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure macht das Erlebnis für das Publikum perfekt. «Hinter den Kulissen kann es allerdings hektisch zu und her gehen. Ich vergleiche das gerne mit einer Küche. Da bekommen die Gäste im Restaurant auch nicht mit, wie heiss in der Küche gekocht wird», schmunzelt er. Auf die Frage, welchen Raum die Gäste einmal gesehen haben müssten, lacht der Theatermacher: «Die Garderoben. Was früher einmal eine Abstellkammer war, ist heute ein Ort des Zusammenspiels zwischen Maske, Kostüm und Schauspielern.»
Die Magie des Augenblicks
Der schönste Moment für Florian Rexer seien jedoch stets die kleinen Momente: «Wenn ich in der Mimik ablesen kann, dass der Schauspieler gerade in seiner Rolle aufgeht, macht mich das glücklich.» Mit «Der Geizige» und «Hans im Glück» stehen in diesem Sommer zwei Stücke auf dem Programm, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Glück befassen. Passend dazu wünscht sich Florian Rexer, dass das Publikum die Schlossfestspiele mit einem guten Gefühl verlässt. «Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder mehr den Moment geniessen und zu sich und anderen grosszügig sein können», sagt er. «Ich möchte diese Magie und Schönheit des Schlosses mitgeben.»