Sie sind meist kunstvoll gestaltet, befinden sich an gut besuchten Orten und sorgen für ein atmosphärisches Dorfzentrum: Brunnen. Rund 17 öffentliche Brunnen gibt es heute in Amriswil, versorgt durch die Regio Energie Amriswil (REA). «Früher gehörten sie zur lebenswichtigen Infrastruktur», weiss Urban Kronenberg, Vorsitzender der Geschäftsleitung der REA. «Sie dienten der Trinkwasserversorgung für Mensch und Tier und auch teilweise dem Brandschutz.» Auch als soziale Treffpunkte im Alltag und als Notvorrat von Wasser fungierten sie damals. «Ihre Standorte wurden deshalb praktisch gewählt», weiss er. Man errichtete die Brunnen in Dorfzentren, an wichtigen Kreuzungen oder Strassen, in der Nähe von Bauernhöfen und Ställen, bei Kirchen, Gasthäusern oder Märkten und an Orten mit guten natürlichen Wasserquellen oder genügend Grundwasser. In Amriswil, so Kronenberg, spielten zudem die Höhenlage und der Wasserfluss eine entscheidende Rolle. «Dies war notwendig, um das Wasser zuverlässig in den Brunnen leiten zu können.» Erst später kamen gestalterische und repräsentative Gründe hinzu: «Brunnen sollten das Ortsbild verschönern und als Treffpunkt dienen.»
Vom Nutzbrunnen zum Gestaltungselement
Heute haben Brunnen ihre praktische Versorgungsfunktion weitgehend verloren. «Sauberes Leitungswasser ist überall verfügbar», sagt Urban Kronenberg. So stehen die Wasserquellen meist in ästhetischem und kulturellem Kontext. «Sie dienen der Dorf- oder Stadtgestaltung und sind historische Erinnerungsstücke, wie beispielsweise der mit Blumen geschmückte Brunnen auf dem Marktplatz.» Damit die Brunnen ihre gestalterische Wirkung entfalten können, werden sie von Philipp Huber, Leiter Werkhof Amriswil, und seinem Team gepflegt. «Die Brunnen werden in der Regel wöchentlich kontrolliert und je nach Witterung alle zwei bis drei Wochen mit Wasser gereinigt», erklärt Huber. In den Wintermonaten werden sie ausser Betrieb genommen. Dies aufgrund von Frostgefahr. Es gibt auch einige Brunnen, wie den beim Ziegeleiweiher, der fast wöchentlich eine Grobreinigung benötigt. «Leider befindet sich darin immer wieder Sand, der nicht in den Brunnen gehört», betont der Werkhofleiter. Auch Steine und Robidog-Säckli werden regelmässig im Ziegeleiweiher-Brunnen gefunden.
Wasser aus Quellen und Leitungen
In Amriswil werden vier Brunnen mit Quellwasser gespeist: die Anlagen beim Gizenhaus, in Biessenhofen-Unterdorf, an der Käsereistrasse Schocherswil sowie der Hagenwiler Dorfbrunnen. Bei diesen Quellleitungsbrunnen sind der Niederschlag und das Grundwasser entscheidend. «Bei den restlichen Brunnen stellen Werkhofmitarbeitende über ein Ventil die Wassermenge ein», verrät der Werkhofleiter. Da die Sommer immer heisser und trockener sind, musste bei einigen Brunnen der Durchfluss auf ein Minimum reduziert werden. So baute das Werkhof-Team vor zwei Jahren bei den Trinkwasserbrunnen ein zeitgesteuertes Magnetventil ein, das von 22 bis 7 Uhr kein Wasser laufen lässt. «Bei extremen Hitzeperioden werden die Brunnen teilweise auch ganz abgeschaltet», betont Huber.
Erfrischung mit geprüfter Qualität
Und wie weiss man, welche Brunnen denn nun Trinkwasser enthalten? «Öffentliche Brunnen ohne den Hinweis ‹Kein Trinkwasser› gelten grundsätzlich als Trinkwasserbrunnen», sagt Urban Kronenberg. Damit das Trinkwasser als solches angeboten werden darf, muss es die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. «Es benötigt eine hygienische Qualität, es sollten also keine schädlichen Bakterien oder Keime enthalten», verrät er. Auch die Grenzwerte für Schadstoffe müssen eingehalten und regelmässige Kontrollen und Wasseranalysen durchgeführt werden. So wird sichergestellt, dass sich Passantinnen und Passanten an den Trinkwasserbrunnen auch an heissen Sommertagen bedenkenlos ihren Durst löschen können. Damit erfüllen die Brunnen bis heute eine ihrer ursprünglichsten Aufgaben.