Das Alters- und Pflegezentrum Amriswil stösst aufgrund der anhaltend hohen Auslastung sowie der demografischen Entwicklung zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Und die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsleistungen wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Laut den Bevölkerungsszenarien zur Entwicklung der 80+-jährigen Wohnbevölkerung in Amriswil, gemäss der Bevölkerungsstatistik der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, ergibt sich ein deutlicher zusätzlicher Bedarf an Pflegeplätzen. Bis im Jahr 2030 wird ein zusätzlicher Bedarf von rund 26 Pflegeplätzen erwartet, bis 2035 von rund 60 und bis 2040 von über 110 weiteren Pflegeplätzen. Gleichzeitig bestehen strukturelle und räumliche Chancen. Insbesondere die räumliche Nähe und das Zusammenspiel von stationärer Pflege, Betreutem Wohnen und ambulanten Angeboten, wie zum Beispiel der Spitex, eröffnen Potenzial für neue, integrierte Versorgungsmodelle.
Erarbeitung Massnahmenplanung
Der Stadtrat hat bereits im November 2024 festgehalten, dass das bestehende Angebot mittelfristig nicht ausreichen wird, um den Bedarf der wachsenden und alternden Bevölkerung zu decken. In der Folge wurde vom Stadtrat eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer Massnahmenplanung eingesetzt. Aufgrund laufender Projekte im APZ – insbesondere des Erweiterungsbaus der Alterswohnungen sowie der Sanierung der bestehenden Alterswohnungen – musste die Weiterbearbeitung dieses Themas zeitlich jedoch zurückgestellt werden. Bis jetzt. Nun soll es wieder vorangetrieben werden.
Ziel: Zusätzliche Pflegeplätze schaffen
Während mit dem Neubau rund 97 Alterswohnungen geschaffen werden konnten, stossen die Kapazitäten im Pflegeheim im Bereich der Langzeitpflege zunehmend an ihre Grenzen. Angebote wie Betreutes Wohnen, Spitex sowie weitere Dienstleistungen tragen zwar zur Entlastung bei, dennoch zeigt sich auch im Pflegeheim eine deutliche Auslastungssituation. Ziel der vorgesehenen Abklärungen ist es daher, mehrere Zukunftsszenarien für die Weiterentwicklung des Pflege- und Betreuungsangebots in Amriswil zu erarbeiten. Dabei sollen insbesondere Szenarien zur kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Schaffung von Pflegeplätzen geprüft werden. Im Fokus stehen dabei unter anderem folgende Fragestellungen «Wie entwickelt sich die zukünftige Pflegelandschaft und welche neuen Pflege- und Versorgungsmodelle sind in die strategischen Überlegungen einzubeziehen?», «Wie kann das APZ kurzfristig, mittelfristig und langfristig auf die steigende Nachfrage reagieren und zusätzliche Pflegeplätze schaffen?», «Wie lassen sich das bestehende Areal sowie die vorhandenen Gebäude weiterentwickeln und welcher bauliche Handlungsspielraum besteht?» und «Ist der Erwerb von zusätzlichem Land notwendig und sinnvoll?». Zur Klärung dieser Fragestellungen wurde eine Arbeitsgruppe «Zukunft APZ» eingesetzt, welche die Arbeiten koordiniert, steuert und die politischen Gremien regelmässig informiert.
Alternative und innovative Modelle
Aktuell prüft die Arbeitsgruppe verschiedene Aspekte – von einer Weiterentwicklung der Alterswohnungen durch den Ausbau von Betreuungs- und Pflegeangeboten bis hin zu einer möglichen Aufstockung und baulichen Erweiterung des Pflegeheims. Ein zentrales Anliegen ist es dabei, nicht ausschliesslich den Ausbau klassischer stationärer Pflegeplätze zu prüfen, sondern bewusst auch über alternative und innovative Modelle der zukünftigen Pflegelandschaft nachzudenken. Deshalb wurde entschieden, eine externe fachliche Aussensicht punktuell beizuziehen. Mit Markus Leser wurde dafür die richtige Person gefunden. Er verfügt über langjährige Führungserfahrung im Altersbereich (u.a. bei CURAVIVA Schweiz und der AGE Stiftung), ein breites Netzwerk sowie vertiefte Kenntnisse bestehender und neuer Wohn- und Pflegekonzepte. Neben ihm wurden Claude Brunner, Stadtrat, Daniela Di Nicola, Vize-Stadtpräsidentin, Dominique Nobel, Leiter APZ, Florian Mühlstein und Elvira Hungerbühler (beide Co-Leitungen Pflege und Betreuung) sowie Ursula Knellwolf, Leitung Betreutes Wohnen in die Arbeitsgruppe gewählt. Bei Bedarf werden zudem die Spitex und weitere externe Partner beigezogen.
Über die Erkenntnisse dieser Analyse wird voraussichtlich im Herbst informiert.