Die Sozialhilfequote blieb im Kanton Thurgau 2024 unverändert bei 1.1 Prozent. Die Zahl der unterstützten Personen nahm dagegen erstmals seit 2017 wieder zu. Auch die Sozialhilfeausgaben stiegen gegenüber dem Vorjahr an. Dies geht aus der Publikation «Sozialhilfe der Politischen Gemeinden 2024» hervor, die vom Amt für Daten und Statistik im vergangenen Dezember veröffentlicht wurde.
Zahl an Bezügern wieder gestiegen
Im Jahr 2024 bezogen im Kanton Thurgau mehr Personen finanzielle Leistungen aus der Sozialhilfe als im Vorjahr. Damit ist die Zahl der Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger erstmals seit 2017 wieder gestiegen, nachdem sie in den Jahren davor rückläufig gewesen war. Insgesamt bezogen 2024 im Kanton Thurgau 3'267 Personen mindestens einmal im Laufe des Jahres finanzielle Leistungen aus der Sozialhilfe. Die Sozialhilfequote – das ist der Anteil der unterstützten Personen an der Wohnbevölkerung – blieb dagegen wegen des gleichzeitigen Bevölkerungswachstums unverändert bei 1.1 Prozent. Im Vergleich zu den anderen Kantonen ist die Sozialhilfequote im Thurgau tief.
Grössere Gemeinden oft stärker betroffen
Von den Politischen Gemeinden im Thurgau war die Sozialhilfequote in Arbon mit 2.5 Prozent am höchsten, gefolgt von Frauenfeld und Romanshorn (je 2 Prozent). In Kreuzlingen lag sie bei 1.4 Prozent, in Amriswil war sie mit 1 Prozent knapp unter und in Weinfelden nur wenig über dem kantonalen Durchschnitt von 1.1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr (2023) ist die Sozialhilfequote in Amriswil unverändert geblieben, während sie in anderen grösseren Gemeinden teils gestiegen ist. Damit ist Amriswil auch die einzige Stadt mit über 10’000 Einwohnerinnen und Einwohnern, die unter dem kantonalen Mittelwert liegt. Alle anderen liegen darüber. «Diese Zahlen zeigen, dass Amriswil im Bereich der Sozialhilfe insgesamt stabil unterwegs ist. Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen, Bevölkerungswachstum und zunehmender sozialer Komplexität», erklärt Stadtpräsident Gabriel Macedo. Nichtsdestotrotz seien die Entwicklungen, insbesondere bei den Fremdplatzierungen, dem Amriswiler Stadtrat bekannt und als unerfreulich einzustufen. «Da müssen wir dran bleiben…», so Macedo weiter. Bei den meisten kleineren Politischen Gemeinden ist die Sozialhilfequote niedrig. Doch auch in diesen können überdurchschnittlich hohe Sozialhilfequoten vorkommen. So zum Beispiel in Rickenbach oder Sirnach, je 1.7 Prozent.
Zweite Zunahme in Folge
Die Brutto-Sozialhilfeausgaben der Politischen Gemeinden – das heisst die insgesamt im Rechnungsjahr ausbezahlten Unterstützungsleistungen – stiegen von 78.1 Millionen Franken im Jahr 2023 auf 83.4 Millionen Franken. Das entspricht einem Plus von 6.8 Prozent und somit der zweiten Zunahme in Folge. Sie dürfte mit dem Anstieg der Zahl der unterstützten Personen und den zunehmend komplexeren Sozialhilfefällen zusammenhängen. Netto – das heisst abzüglich Rückerstattungen durch ehemalige Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger und von bevorschussten Leistungen – nahmen die Ausgaben mit einem Plus von 6.4 Prozent ebenfalls deutlich zu. Insgesamt wendeten die Politischen Gemeinden netto 26.8 Millionen Franken für Sozialhilfe auf (2023: 25.2 Millionen Franken). Im Verhältnis zur Einwohnerzahl waren es im Schnitt 90 Franken (2023: 86 Franken). Auch in Amriswil sind die Netto-Sozialhilfeausgaben im Jahr 2024 um rund 1.44 Millionen Franken angestiegen, was einem Plus von ca. 570'000 Franken gegenüber dem Vorjahr entspricht. «So bewegen sich die Netto-Sozialhilfeausgaben hier mit 97 Franken pro Einwohnerin und Einwohner über dem kantonalen Durchschnitt, jedoch weiterhin in einem vergleichsweise moderaten Rahmen», erklärt Macedo weiter. Zu verdanken sei dies vor allem der professionellen, engagierten und verantwortungsvollen Arbeit der Mitarbeitenden und der Leiterin der Sozialen Dienste der Stadt Amriswil, Tamara Sulzberger, sowie der zuständigen Stadträtin, Daniel Di Nicola. «Sie leisten täglich einen wichtigen Beitrag, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen, Perspektiven zu eröffnen und, wo immer möglich, nachhaltige Lösungen zu finden. Dass sich dies auch in vergleichsweise stabilen Kennzahlen widerspiegelt, ist kein Zufall», so der Stadtpräsident.
Leistungen für Personen mit Schutzstatus S
Zusätzlich zu den Bruttoausgaben von 83.4 Millionen Franken wendeten die Politischen Gemeinden im Kanton Thurgau brutto 24.0 Millionen Franken für Sozialhilfeleistungen an Personen mit Schutzstatus S auf. Mit Staatsbeiträgen und Rückerstattungen erzielten die Politischen Gemeinden netto einen Überschuss von insgesamt 9.1 Millionen Franken. Zu beachten ist, dass Staatsbeiträge und Rückerstattungen teilweise zeitverzögert in die Gemeinderechnungen einfliessen.
Die Publikation «Sozialhilfe der Politischen Gemeinden 2024» mit Details und weiteren Analysen kann unter www.statistik.tg.ch heruntergeladen werden.