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Jetzt ist der Werkhof an der Reihe

2. Juli 2020
Der alte Werkhof entspricht in vielerlei Hinsicht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. Das soll sich aber schon bald ändern.

Der Amriswiler Werkhof ist in die Jahre gekommen. Das äussert sich vor allem durch Energieverluste aufgrund mangelhafter Bausubstanz, durch nicht erfüllte Sicherheitsvorschriften und betriebliche Ineffizienz. Punkte, die von aussen kaum sichtbar sind, im Arbeitsalltag der 15 Mitarbeitenden aber vorherrschen. Werkhofleiter Philipp Huber erfährt täglich, welcher Mehraufwand aufgrund der aktuellen Infrastruktur geleistet wird. Ein Beispiel sind die Lagerräume: Sie befinden sich allesamt im dritten Stockwerk, und das ohne Lift. «Wir schleppen von Abfallkübeln über Signalisationstafeln bis hin zu Bänken alles von Hand da rauf.» Damit ist auch die Suva nicht zufrieden. Unzureichend gesicherte Leitern, einbruchgefährdete Böden: Beanstandet hat die Unfallversicherungsanstalt schon einiges. «Teilweise konnten wir es beheben, teilweise würden die Kosten explodieren», sagt Huber. Bauverwalter Manfred Wagner ergänzt: «Wir investieren immer wieder, um wenigstens einigermassen auf dem geforderten Level zu bleiben. Aber wir kommen immer mehr in Bedrängnis.»

Andere Projekte hatten bisher Vorrang
Inzwischen steht seit rund acht Jahren fest, dass die Sanierung respektive der Ersatzbau des Werkhofs vors Volk soll. Doch aufgrund verschiedener anderer baulicher Prioritäten wie Feuerwehrzentrum, Sporthalle, Garderobengebäude oder Stadthaus wurden die baulichen Massnahmen beim Werkhof vertagt.

Jetzt soll sich das ändern. Die Bauverwaltung hat inzwischen ein detailliertes Raumprogramm erstellt, sodass bereits feststeht, wie der Werkhof einst aussehen soll. Seit Freitag, 3. Juli 2020 ist das Planerwahlverfahren ausgeschrieben. «Es unterscheidet sich insofern von einem Projektwettbewerb, als dass wir bereits sehr konkrete Vorstellungen haben», sagt Wagner. «Wir suchen einen Planer, der unsere Wünsche umsetzt; der architektonische Teil ist untergeordnet, die Zweckmässigkeit steht hier im Vordergrund.»

Konkret heisst das: Der Altbau aus dem Jahr 1941, oder die «Schüür», wie sie von Mitarbeitern genannt wird, soll abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Was bleibt, ist der sogenannte Neubau, die Einstellhalle aus dem Jahr 1986. Dank guter Bausubstanz soll es nur punktuelle Sanierungen geben, unter anderem einen Aussenlift. Ausserdem soll auf dem Gelände ein zusätzlicher Lagerbau für Marktstände und Tischgarnituren entstehen, damit diese abgeholt werden können, ohne den Werkhof-Betrieb zu stören.

Die restlichen Gebäude bleiben
Am Vorhaben unbeteiligt sind alle anderen Gebäude auf dem Areal: Sowohl die beiden Salzsilos als auch das angrenzende Wohnhaus an der St. Gallerstrasse, das der Stadt gehört, bleiben bestehen. Das beim Werkhof angesiedelte Pfadiheim ist von den Neuerungen ebenso wenig tangiert. 

Allerdings ist eine Neuanordnung der Entsorgung angedacht. Wenn möglich ist die Zufahrt zur Entsorgungsinfrastruktur vom betrieblichen Verkehr zu trennen, sodass sich Mitarbeiter und Entsorgende nicht in die Quere kommen. 

Weshalb kein Projekt auf grüner Wiese?
Der Neubau in Kombination mit der Sanierung am alten Standort wirft die Frage auf, weshalb sich die Stadt nicht für einen kompletten Neubau auf grüner Wiese entschieden hat – etwa in Zusammenarbeit mit dem Kanton, der von der Stadt im Gebiet Schrofen Land gekauft hat und dort seinen eigenen Werkhof erstellen wird. «Eine Zusammenlegung haben wir vor dem Verkauf des Landes geprüft», sagt Macedo. Die Synergien, die sich ergeben hätten, wären aber zu gering gewesen, zumal Kanton und Stadt kaum dieselben Geräte benötigen. Ebenfalls geprüft habe man die Idee, im Alleingang einen neuen Werkhof ausserhalb des Zentrums zu bauen. «Das hätte immerhin den Vorteil gehabt, das jetzige Areal für Siedlung freigeben zu können», sagt Macedo. «Doch durch die kurzen Wege gibt es eben auch Vorteile, wenn der Werkhof mitten im Dorf beheimatet ist.» Der Stadtpräsident verweist ausserdem auf den finanziellen Aspekt. Das nun angedachte Projekt am bisherigen Standort mit bestehender Infrastruktur wird zwischen 4,5 und 5 Millionen kosten. «Bei einem Neubau auf grüner Wiese würden wir von einem deutlich höheren Betrag sprechen.»

Abstimmung im Juni nächsten Jahres
Nun können sich die Planungsbüros also bewerben. Fünf von ihnen werden ab September Projekte ausarbeiten und im Dezember einreichen. Ende Jahr fällt die Wahl auf einen Fachplaner, der das Projekt zusammen mit der Baukommission zur Abstimmung bringt. Bereits im Juni nächsten Jahres soll das Amriswiler Stimmvolk also darüber befinden, ob der Kredit für Neubau und Sanierung gesprochen wird. «Sollte alles optimal laufen, könnte das Projekt bereits Ende 2023 fertiggestellt werden», sagt Manfred Wagner. (seh)

 

Hier geht es zur öffentlichen Ausschreibung.

Links der alte Werkhof, rechts  die neuere Einstellhalle. Gabriel Macedo, Manfred Wagner und Philipp Huber (von Links)begutachten die bestehende  Infrastruktur.
Links der alte Werkhof, rechts die neuere Einstellhalle. Gabriel Macedo, Manfred Wagner und Philipp Huber (von Links)begutachten die bestehende Infrastruktur. (Bild: Seraina Hess)