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Revision der Ortsplanung Amriswil

25. Juni 2020
Die anstehende Revision der Ortsplanung bildet eine wichtige Grundlage für die bauliche Entwicklung Amriswils. Ab Freitag, 12. Juni, liegt das Projekt öffentlich auf.

Es war ein langwieriger Prozess: Gut sechs Jahre dauerte die Revision der Ortsplanung der Stadt Amriswil. Nötig wurde diese, weil der Kanton bereits 2013 sein revidiertes Planungs- und Baugesetz in Kraft gesetzt hatte. Die Gemeinden mussten nachziehen und ihre Rahmennutzungspläne den kantonalen Vorgaben anpassen.

Federführend waren Stadtrat Stefan Mayer, Vorsitzender der 15-köpfigen Ortsplanungskommission, sowie Michael Herzog, als Bausekretär der Stadt für die Umsetzung des Vorhabens zuständig. Dabei ging es aber nicht darum, Amriswil raumplanerisch neu zu erfinden; vielmehr war das Ziel, die bestehenden Planungen zusammenzuführen und zukunftsgerichtet weiterzuentwickeln. 

Zentral war der bereits 2018 vom Kanton genehmigte kommunale Richtplan. Dieser legt beispielsweise fest, wo sich in Zukunft das Gewerbe ansiedeln soll und wo nicht, wo sich das Zentrum weiterentwickeln darf und wo nicht. Erst in der zweiten Planungsphase ging es um die Erarbeitung des Rahmennutzungsplanes, der aus Baureglement, Zonenplan und dem Konzept für höhere Häuser und Hochhäuser besteht. 

Mit dem ab dem Freitag, 12. Juni 2020, öffentlich aufgelegten Ergebnis sind Stefan Mayer und Michael Herzog mehr als zufrieden – und das vor allem aus einem Grund: «Uns ist gelungen, trotz des engen kantonalen Korsetts das Maximum für Amriswil herauszuholen», sagt Mayer. Dies war unter anderem möglich, weil die Bevölkerung bereits im Mitwirkungsverfahren einbezogen wurde. «Es gab insgesamt 27 Stellungnahmen von Grundeigentümern, die ihre Wünsche äusserten», sagt Michael Herzog. «Was irgendwie möglich war, haben wir umgesetzt, mit anderen haben wir das Gespräch gesucht und konnten Lösungen aufzeigen.»

In der revidierten Ortsplanung ist festgehalten, wie sich Amriswil in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll – und das wird vor allem im Zentrum geschehen, nicht aber in den Weilern und Dörfern. Denn die Grenzen der Siedlungsentwicklung nach aussen sind gegeben, zumal sich das Zentrum flächenmässig nicht weiter ausdehnen darf. «Land ist leider ein unvermehrbares Gut; man kann es nicht einfach auf den Kopierer legen und nochmal 1000 Quadratmeter drucken», sagt Herzog.

Nur geringfügig können Einzonungen vorgenommen werden, die aber mit Auszonungen an anderen Orten im Gemeindegebiet kompensiert werden. Weil im Gemeindegebiet viele Grundstücke, die neu der Bauzone zugeführt werden, im Moment noch unbebaut sind, hat die Stadt auf Geheiss des Kantons Kaufrechtsverträge mit Grundeigentümern abgeschossen. Das heisst: Wenn das Land innerhalb einer Frist von acht bis zehn Jahren nicht bebaut wird, hat die Stadt die Möglichkeit, den Boden zu kaufen, um die Zentrumsentwicklung selbst voranzutreiben. «Verständlicherweise sind wir damit auf wenig Begeisterung gestossen», sagt Stefan Mayer, «aber Bund und Kanton schreiben dieses Vorgehen bei Bauland-Einzonungen vor.» Ausserdem bedeute der Kaufrechtsvertrag nur, dass die Stadt den Boden kaufen könnte; ob sie es tut, ist völlig offen. 

Planungssicherheit für Eigentümer
Die revidierte Ortsplanung gibt dem Grundeigentümer letzten Endes eine grosse Planungssicherheit und einen Mehrwert, zumal er mehr realisieren kann. Im Zentrum sind das zum Beispiel höhere Häuser oder gar Hochhäuser. Das Ziel: Peripher soll Amriswil weiterhin wenige, niedrige Bauten aufweisen, zentral dürfen aber dichtere und höhere Bauten entstehen. Vor allem auch entlang der Hauptverkehrsachse, also in Gebieten, die vom öffentlichen Verkehr heute schon gut erschlossen sind. «Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass in Amriswil in den nächsten zehn Jahren lauter Hochhäuser aus dem Boden schiessen. Wir haben einerseits immer noch sehr viele kleine Parzellen und viele Bestandsliegenschaften; andererseits ist der Leerwohnungsbestand zurzeit relativ hoch und die Nachfrage nach Wohnungen klein», sagt Stefan Meyer.

Aufzonen und Verdichten sind das eine – die neue Ortsplanung trägt aber auch dem Ortsbild Rechnung. Gewisse Teile sollen erhalten bleiben, beispielsweise das Sandacker-Quartier und Quartiere an der Tell-, Quellen-, Flora- und Nordstrasse. «Es ist nicht das Ziel, dass jemand mehrere Parzellen kauft, Einfamilienhäuser abbricht und Mehrfamilienhäuser hinstellt. Diese Strukturen sollen erhalten bleiben», sagt Mayer.

Inzwischen hat der Stadtrat das Baureglement, den Zonenplan, das Konzept für höhere Häuser und Hochhäuser, verbunden mit der Anpassung des kommunalen Richtplans, genehmigt. Die öffentliche Auflage beginnt ab Freitag, 12. Juni, und endet am 1. Juli 2020. Die Urnenabstimmung findet am 29. November 2020 statt; sofern das Volk zustimmt, wird die revidierte Ortsplanung im Anschluss zur Genehmigung dem Kanton unterbreitet. (seh)

Hinweis
Mehr unter amriswil.info

 

ÖFFENTLICHE AUFLAGE

Gestützt auf §§ 29 ff. des kantonalen Planungs- und Baugesetzes (PBG) und gemäss Stadtratsbeschluss vom 26. Mai 2020 werden im Rahmen der Revision der Ortsplanung folgende Unterlagen / Pläne öffentlich aufgelegt:

  • Baureglement
  • Zonenplan
  • Konzept Höhere Häuser und Hochhäuser

Öffentliche Bekanntmachung
Zusätzlich werden gestützt auf § 14 PBG und § 3 PBV folgende Unterlagen / Pläne öffentlich bekannt gemacht:

  • Änderungen kommunaler Richtplan Siedlung / Natur- und Landschaft bedingt durch Zonenplan (Richtplankarte und Richtplantext)
     

Frist und Ort:
Auflage-/Bekanntmachungsfrist: 12. Juni bis 1. Juli 2020
Auflageort: Stadthaus Amriswil, Bauverwaltung, Arbonerstrasse 2, 8580 Amriswil (während den Schalteröffnungszeiten)

Die Unterlagen finden Sie auch online unter www.amriswil.ch.


Öffentliche Sprechstunden
An den Donnerstagen, 18.06.2020 und 25.06.2020 und am Montag, 29.06.2020 stehen Ihnen jeweils Planungskommissionsmitglieder und ein Vertreter des Planungsbüros von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr im Pentorama für Fragen zur Verfügung.


Rechtsmittel
Wer durch die aufgelegten Unterlagen (Baureglement, Zonenplan und Konzept Höhere Häuser und Hochhäuser) berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse hat, kann während der Auflagefrist schriftlich und begründet Einsprache erheben. Einsprachen sind an den Stadtrat Amriswil, Arbonerstrasse 2, Postfach 1681, 8580 Amriswil, zu richten. Zu den Richtplanänderungen kann sich jedermann während der Bekanntmachungsfrist äussern. Einwendungen sind innerhalb der Bekanntmachungsfrist schriftlich an den Stadtrat Amriswil, Arbonerstrasse 2, Postfach 1681, 8580 Amriswil, zu richten.

 

Amriswil, 12. Juni 2020

Stadt Amriswil
Der Stadtrat

Die Revision der Ortsplanung beschäftigte Stadtrat Stefan Mayer (links) und Bausekretär Michael Herzog rund sechs Jahre lang.
Die Revision der Ortsplanung beschäftigte Stadtrat Stefan Mayer (links) und Bausekretär Michael Herzog rund sechs Jahre lang. (Bild: Seraina Hess)