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Ein Fünfliber mehr pro Monat für den Strom

6. September 2019
Die Regio Energie Amriswil (REA) hat ihre neuen Stromtarife kommuniziert. Für Familien ändert sich nur wenig.

Ab kommendem Jahr müssen Amriswiler Haushalte und Gewerbetreibende mehr für ihren Strom bezahlen. «Wir stellen am Markt fest, dass der Strom mehr kostet», sagt Urban Kronenberg, Vorsitzender der REA-Geschäftsleitung. Auch die Preise für ökologische Zertifikate sind teurer geworden, weil die Nachfrage massiv gestiegen sei, so Kronenberg. Gemäss kantonalem Gesetz muss die REA jedem Kunden die Möglichkeit bieten, dass er erneuerbaren Strom beziehen kann. «Den kaufen wir in der Schweiz ein, angereichert durch europäische Zertifikate wie norwegische Wasserkraft oder deutsche Windkraft», sagt Kronenberg.

Die Preiserhöhung spüren die Konsumenten jedoch nur minim, der REA-Geschäftsführer relativiert: «Für eine vierköpfige Familie macht es zwischen fünf und sechs Franken im Monat aus.» Ein ganz kleiner Teil dieser Erhöhung ist auf die angepassten kommunalen Abgaben der Stadt Amriswil zurückzuführen. In der letzten Woche beschloss der Stadtrat, die kommunalen Abgaben um 0,1 auf 0,7 Rappen pro Kilowattstunde zu erhöhen. «Das sind rund 60 000 Franken mehr pro Jahr», sagt REA-Finanzchef Luciano Cavallo und erklärt, dass die Stadt damit die stromfressenden Quecksilberdampflampen durch LED-Leuchten ersetzen will. «Eigentlich ist es eine Ausgabe, aber letztlich spart die Stadt dadurch viel Strom», sagt Cavallo. Auch der Unterhalt der LED-Lampen sei viel günstiger.Die neuen Stromtarife sind auch eine Folge davon, dass die ElCom (Eidgenössische Elektrizitätskommission) ab 2020 eine Vereinfachung der Stromtarifstrukturen vorschreibt. «Diese wiederum basieren auf dem Energiegesetz», sagt Armin Felber, bei der REA als Projektingenieur tätig.

Nur noch fünf Kundengruppen

Für die Amriswiler Stromkunden bedeutet das, dass sie ab Januar in einer von nur noch fünf Kundengruppen sein werden, abhängig davon, wie viel Strom sie jährlich beziehen. Früher habe es sowohl bei Haushalts- wie bei Gewerbekunden jeweils mehrere verschiedene Kundengruppen gegeben, sagt Urban Kronenberg. Heute gelte für Kleinkunden die Grenze von 50 000 Kilowattstunden pro Jahr, sagt er und macht ein Beispiel: «Bisher stellte sich immer die Frage, ob nun ein Coiffeursalon ein Gewerbekunde oder doch eher ein Haushaltskunde sei. Mancher Gewerbebetrieb braucht weniger Strom als ein grosser Haushalt», sagt Kronenberg. Künftig spiele diese Unterscheidung keine Rolle mehr – es zähle nur noch der Stromverbrauch. «Hat ein Betrieb keine grossen Produktionsmaschinen, kann er in dieselbe Stromtarifgruppe wie Haushalte fallen», sagt Armin Felber.

Mehr Optionen für Solarstromproduzenten

Doch nebst leichter Preiserhöhung und vereinfachter Tarifstrukturen bieten sich gerade für Besitzer einer Fotovoltaik-Anlage auch neue Möglichkeiten. Wer seinen eigenen Solarstrom produziere, wolle vielleicht am Mittag nicht mehr seine Geräte wie Waschmaschine, Boiler oder Wärmepumpe gesperrt haben, wenn die Sonne mit voller Kraft scheine. Diese sogenannten Prosumer, eine Kombination von Produzent und Konsument, können diese Sperrung aufheben lassen, sagt Kronenberg.«Anstelle der Hoch- und Niedertarife bekommt dieser Kunde eine Leistungsabrechnung», sagt Kronenberg. Dabei werde jede Viertelstunde gemessen und der Konsument bezahlt die Leistungsspitze. «Dafür braucht es intelligente Geräte, die dem Kunden mitteilen, dass er zum Beispiel über Mittag den eigenen produzierten Strom verbrauchen kann, wenn die Sonne scheint.» Die Eigenverantwortung steige, aber die Möglichkeit, eigenen Strom effizienter nutzen zu können, die werde damit auch grösser, sagt der REA-Geschäftsführer. (Text: Manuel Nagel)

Hinweis: Sämtliche neuen Tarifblätter sind hier zu finden.

REA-Geschäftsführer Urban Kronenberg bespricht sich mit Finanzchef Luciano Cavallo und Projektingenieur Armin Felber.REA-Geschäftsführer Urban Kronenberg bespricht sich mit Finanzchef Luciano Cavallo und Projektingenieur Armin Felber. (Bild: Manuel Nagel)