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2.5 Millionen Liter Wasser für die Badegäste

22. April 2021
Wenn es Corona zulässt, beginnt am 9. Mai die Saison der Badi Amriswil. Bis dahin gibt es für Dani Schönenberger und sein Team noch einiges zu tun. Neben dem Putzen der Becken und Gehwege stehen regelmässiges Rasenmähen und das Einlassen von frischem Wasser auf dem Plan.

Öffnen wird das Schwimmbad Amriswil voraussichtlich in gut zwei Wochen. Gearbeitet wird im Bad aber schon weitaus länger. Chefbademeister Dani Schönenberger und sein 15-köpfiges Team sind seit dem ersten März im Dienst. Ihre Saison dauert bis November oder gar Anfang Dezember. Und im Winter? «Da machen wir Ferien», sagt Schönenberger. Dann beziehen die Angestellten des Bades die offiziellen Ferien sowie die Überzeit, die sich im Sommer angesammelt hat. Und das ist einiges.

Auch im Winter volle Becken
Aktuell werden die Schwimmerbecken geputzt. Dazu wird das Wasser komplett ausgelassen, das im Übrigen den ganzen Winter hindurch im Becken bleibt. «Dass eine solche Wassermenge gefriert, ist in unserer Region so gut wie unmöglich. Das heisst, das Becken wird geschützt und im Frühling wird das Wasser ausgelassen», erklärt Schönenberger. Ist alles sauber, werden 2.5 Millionen Liter sauberes Wasser eingelassen. Dieses bleibt bis kommenden Frühling drin. Ein Wasserwechsel während der Saison lohnt sich zeitlich und finanziell nicht. «Und macht auch keinen Sinn», erklärt Schönenberger. Alleine das Auslassen dauert ca. eine Woche. Das Chlor hält das Wasser sauber und durch die Wärme, das Hereinspringen sowie das Heraussteigen aus dem Becken geht immer etwas Wasser ab, das laufend ersetzt und das Becken wieder aufgefüllt wird. Neben den Arbeiten an den Schwimmbecken haben Schönenberger und sein Team alle Gehwege mit dem Hochdruckreiniger geputzt, alle Gebäude von innen und aussen gesäubert und die gesamte Grünanlage muss unterhalten werden.  Zusätzlich zu den Aufgaben rund um das Freibad, kümmert sich das Team auch um den Unterhalt und die Bewirtschaftung der Minigolfanlage. 

Bademeister und Badewachen
Zum Team der Amriswiler Badi gehören neben Chefbademeister Dani Schönenberger ein weiterer Bademeister und eine Bademeisterin, ein Helfer für Unterhaltsarbeiten, vier Kassierinnen, zwei Reinigungskräfte und mehrere Badewachen, die bei der Aufsicht helfen, wenn die Bademeister anderweitig gebraucht werden. Denn, erklärt Schönenberger, als Bademeister sei man nicht nur für die Aufsicht am Becken zuständig, sondern man sei Ansprechpartner für alles Mögliche. «Wir sind an der Kasse, leisten Erste Hilfe, erledigen Reinigungsarbeiten und lösen allfällige Probleme zwischen den Besuchern. Man ist also nie permanent am Wasser, was die Anwesenheit der Badewachen absolut notwendig macht. 

Alles andere als ein «Schoggijob»
In der Schweiz sind die meisten Bademeister Quereinsteiger. Das ist anders als zum Beispiel in Deutschland, wo man den Beruf das Bademeisters lernen kann. «Vieles sind Leute, die aus einem handwerklichen Beruf kommen», erklärt Schönenberger. Er selber ist gelernter Koch. Die Wenigsten bleiben dem Beruf des Bademeisters treu. «Viele stellen sich den Alltag zu entspannt und einfach vor.» Denn das, was die Badegäste mitbekommen, ist ein kleiner Teil der Aufgaben. «Viele denken, man sitzt den ganzen Tag in der Sonne, schaut auf die Becken und geniesst den Sommer», so Schönenberger. Aber, erklärt er, eigentlich müsse man immer überall sein, hilft im Kassenhaus aus, putzt, klärt Probleme mit oder zwischen Gästen, beantwortet alle möglichen Fragen und achtet darauf, dass alle Regeln eingehalten werden. Ein weiterer Grund, wieso dem Beruf viele den Rücken kehren, ist sicher auch die Arbeitszeit. Während der Saison arbeitet Schönenberger teilweise 12 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Sommerferien sind unmöglich und wäre seine Partnerin nicht auch Bademeisterin im Amriswiler Freibad, wäre auch eine Beziehung schwierig zu führen. Trotz allem ist Schönenberger dem Beruf treu geblieben und nun seit gut 20 Jahren als Bademeister tätig. Das schönste an seinem Beruf sei es, den ganzen Sommer draussen zu sein. Während seiner Zeit als Koch habe er viele schöne, heisse Tage in der Küche verbracht. Das wollte er nicht den Rest seines Lebens machen. 
Wer Bademeister werden möchte, braucht in erster Linie das Brevet, einen Wiederbelebungskurs und, ergänzt Schönenberger, viel Nerven. Mittlerweile gebe es zusätzlich noch den Studiengang Bäderfachmann an der Höheren Fachschule. Diese Ausbildung hat auch Schönenberger absolviert. 

Das Coronakonzept steht
Falls, und davon geht Schönenberger aus, das Coronaschutzkonzept auch diese Badisaison noch eingehalten werden muss, wird jenes vom letzten Jahr übernommen. Das Konzept steht. Dieses bestimmt, wie viele Personen je nach Grösse der Badi eingelassen werden dürfen. Für Amriswil bedeutet dies, dass rund 2000 Badegäste auf einmal in der Badi sein dürfen. «An sehr starken Tagen zählen wir gut 2000 bis 2500 Menschen», erklärt der Chefbademeister. «Aber», ergänzt er, «davon sind ja nicht alle miteinander hier. Das heisst, wir mussten im letzten Sommer nie Besucher abweisen.» Auch über die Anzahl Badegäste im Becken gibt es spezielle Coronaregeln. Diese seien aber nicht weiter tragisch, erklärt Schönenberger, zumal die Amriswiler Becken Chlor enthalten und Viren dadurch sofort abgetötet werden. «Die Ansteckungsgefahr in den Becken ist also viel geringer als draussen auf der Wiese», so Schönenberger. 

Der lange Weg zum Amriswiler Freibad
Das erste Amriswiler Schwimmbadprojekt datiert aus dem Jahr 1921. Die Idee war es, den Hellmühleweiher zur Badi herauszuputzen. Das Projekt schaffte es nicht zur Abstimmungsreife. Zehn Jahre später nahm der Verschönerungsverein einen neuen Anlauf. Zwei Projekte wurden verfasst: eines sah den Standort Kilbwiesen vor, das andere den Standort Tellen. Erneut blieb es bei Projekten. Nach dem zweiten Weltkrieg folgte ein weiterer Vorstoss für einen Schwimmbadbau mit dem Standort Kilbwiesen. Hauptinitiant Edwin Hess präsidierte die ins Leben gerufene Schwimmbadkommission. Bei der Abstimmung 1948 verwarf das Stimmvolk das Projekt aber. 1960 bildete sich wieder ein Initiativkomitee. Im März 1961 wurde erneut eine Schwimmbadkommission gegründet. Via Medien kam es zu heftigen Diskussionen über den Standort der Badi (Tellen oder Kilbwiesen), so dass eine öffentliche Versammlung einberufen wurde. Weil keine Einigung möglich war, wurden für beide Standorte Projekte ausgearbeitet. 1962 wurden via ausserordentlicher Gemeindeversammlung die Kilbwiesen als Standort gewählt. Im Juni beschloss die Kommission, zur Mitfinanzierung des Projekts eine öffentliche Sammlung durchzuführen. Auf dem Marktplatz wurde ein Spende-Pegel aufgestellt, der schliesslich bis auf gut 100'000 Franken anstieg. Ende September 1962 schaffte das Projekt die Abstimmungshürde. Kurz danach tagte die Schimmbadkommission zum letzten Mal. Der Bau und die Verwaltung wurden an die Schwimmbad-Genossenschaft abgetreten. Neu gab es eine Verwaltungskommission, eine Baukommission und eine Betriebskommission. Nachdem auch die Finanzierung gesichert und die Baupläne fertiggestellt waren, stand dem Bau des Schwimmbads nichts mehr im Weg. Ein gutes Jahr dauerte der Bau und konnte am 27. Juni 1964 eingeweiht werden. Seit der Eröffnung hat sich einiges getan. Unter anderem wurde die Infrastruktur durch eine Minigolfanlage, durch Beachvolleyballfelder und Tischtennis-Tische ergänzt und es fanden mehrere Sanierungen statt. In den letzten 15 Jahren besuchten im Schnitt 52'000 Gäste pro Jahr die Badi. Höhepunkt war das Jahr 2003 mit über 92'000 Eintritten.
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Vorverkauf Saisonabos noch bis am 30. April
Die Schwimmbadsaison 2021 startet voraussichtlich am Sonntag, 9. Mai 2021, um 13 Uhr, sofern es das Coronavirus zulässt. Die Saisonabos können aber bereits seit Montag, 11. Januar 2021, beim Infoschalter im Stadthaus Amriswil zum ermässigten Vorverkaufspreis bezogen werden. Neu findet der Vorverkauf ausschliesslich beim Infoschalter im Stadthaus statt. Der Vorverkauf dauert bis Freitag, 30. April 2021. Saisonabos können zwar nach Saisonstart an der Schwimmbadkasse bezogen werden, dies jedoch zum normalen Tarif.

Chefbademeister Dani Schönenberger steht im noch leeren Schwimmerbecken in der Badi Amriswil.
Chefbademeister Dani Schönenberger steht im noch leeren Schwimmerbecken in der Badi Amriswil.

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