Kopfzeile

Inhalt

«Konstruktive Kritik ist immer angebracht»

18. Februar 2021
Michael Stäheli-Engel ist Schulevaluator beim Amt für Volksschule Thurgau und Vater von drei Kindern. Jetzt kandidiert der gelernte Primarlehrer für das Amt des Schulpräsidenten.

Herr Stäheli-Engel, waren Sie ein guter Schüler? 
Alle Kinder und Jugendlichen sind «gut» und haben Potenzial, das in ihrer Entwicklung gefördert werden kann. In diesem Sinn war auch ich ein «guter» Schüler. Schulnoten sagen aus meiner Erfahrung nicht viel über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aus. 

Sind Sie gerne zur Schule gegangen?
Ich bin meistens gerne zur Schule gegangen, kann mich aber auch an einzelne Konflikte erinnern. Zum Glück dauerten diese jeweils nicht lange an.

Wann und wieso kam der Entschluss für die Kandidatur?
Ich interessiere mich schon lange für das Schulpräsidium und entschloss mich zur Kandidatur, nachdem ich diese mit verschiedenen VertreterInnen aus der Politik diskutiert hatte und von allen Seiten dazu ermutigt wurde.

Wieso sind Sie der Richtige, für das Amt?
Mein Herz schlägt für die Volksschule und ich habe mich in meinen Aus- und Weiterbildungen intensiv mit Bildungsfragen beschäftigt. Mit meiner Erfahrung als Lehrer, in der Sozialen Arbeit und als Schulevaluator weiss ich, welche Aspekte für den Lernerfolg der Kinder und eine gelingende Schulführung wichtig sind.

Angenommen, Sie werden gewählt. Worin sehen Sie Herausforderungen? 
Die grösste Herausforderung sehe ich darin, den verschiedenen Interessen aller Beteiligten gerecht zu werden. Es kommt mir entgegen, dass ich eine ruhige und überlegte Persönlichkeit bin, die Entscheide fundiert begründet.

Was liegt Ihnen als Schulpräsident besonders am Herzen?
Mir liegen die Kinder und Jugendlichen am Herzen. In der Politik gehen diese leider manchmal vergessen. Das Ziel der Volksschule ist es, die Fähigkeiten der Kinder zu fördern und die Kinder zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu erziehen. Das gelingt, wenn die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule funktioniert.

Was denken Sie, ist für die SchülerInnen in der heutigen Zeit speziell wichtig?
Die SchülerInnen bewegen sich in einer immer komplexeren Umwelt. Sie brauchen die nötigen Kompetenzen, um sich zu orientieren, zu vernetzen und ihr Leben selbstständig und erfolgreich zu bewältigen.

Was möchten Sie den Kindern mit auf den Weg geben? 
Als Schulpräsident kann ich den Kindern direkt eher wenig mit auf den Weg geben. Das liegt vor allem in den Händen der Eltern und der Lehrpersonen. Ich ermutige aber alle Kinder und Jugendlichen, ein Leben lang zu lernen, offen zu sein für Neues und Sachverhalte kritisch zu hinterfragen.

Wie bereiten Sie sich auf die Aufgaben als Schulpräsident vor? 
Ich setze mich aktiv mit Themen der Schule auseinander und welche Entwicklungen in den nächsten Jahren anstehen. Zudem lese ich viel und überlege, welche Führungsstrukturen sinnvoll sind und wie ich meine Rolle als Schulpräsident konkret ausgestalte.

Mit welchen Problemen hat die VSG aktuell zu kämpfen?
Natürlich ist es vermessen, aus der Distanz und ohne Hintergrundwissen Probleme zu identifizieren. Ich analysiere die Situation zuerst, bevor ich von Problemen rede. Bei der Grösse der Volksschulgemeinde kann ich mir aber vorstellen, dass es im Personalbereich einzelne Fragen gibt, die geklärt werden müssen.

Wie würden Sie diese angehen? 
Ich benenne klar, was der erwünschte Zielzustand ist und würde regelmässige Feedbackprozesse in kurzen Zeitabständen installieren, um das Problem anzugehen und das angestrebte Ziel zu erreichen. 

Es wäre möglich, dass Sie nach vierjähriger Amtszeit wieder abgewählt würden. Was dann? 
Ich gehe nicht davon aus, dass das der Fall sein wird. Falls doch, ist es das Resultat eines demokratischen Prozesses. Das kann ich akzeptieren und mich beruflich neu orientieren.

Von Seiten FDP wurden Sie beide streng bewertet. Wie gehen Sie mit Kritik um?  
Als Schulevaluator habe ich ja auch Bewertungen vorgenommen und kritisiert. Dabei wollte ich stets auf wertschätzende Art einen Lerneffekt auslösen. So habe ich auch die FDP erlebt. Konstruktive Kritik ist immer angebracht und spornt mich an, noch besser zu werden.

Sehen Sie einen Nachteil darin, dass es keine öffentlichen Hearings oder 
Podiumsdiskussionen geben kann?

Nein. Einzelne Hearings und die Podiumsveranstaltung waren ja öffentlich. Allenfalls ist der Zugang über elektronische Medien für einige WählerInnen erschwert. Die Möglichkeit, sich eine Meinung zu bilden, ist aber auch über andere Medien sichergestellt.

Welche Auswirkungen könnte dies auf die Wahl haben? 
Ich bin eher Experte im Bildungswesen als ein Prophet. Hypothesen zu bilden ist sinnvoll, wenn sie anschliessend auch tatsächlich überprüft werden können. Das ist bei dieser Frage aus meiner Sicht nicht der Fall.

Wie versuchen Sie, WählerInnen zu erreichen? 
Neben der öffentlichen Berichterstattung und meiner Wahlwerbung setze ich auf das persönliche Gespräch. Mir ist es wichtig, neue Kontakte zu knüpfen und auf Anfragen zu antworten. Ich bin in Amriswil aufgewachsen und werde von einem weit verzweigten Netzwerk aktiv unterstützt.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Das Amt ist eine spannende Herausforderung. Ich lasse mich von einem realistischen Optimismus leiten und tue mein Bestes, um meine Wahlchancen zu nutzen.

Und wie schätzen Sie Ihren Kontrahenten ein?  
Meine Einschätzung ist nicht entscheidend, sondern jene der WählerInnen. Ich danke meinem Mitbewerber an dieser Stelle aber für den fairen und sachlichen Wahlkampf.

Eine der Anforderungen an den Schulpräsidenten ist die Führungskompetenz. Welche Strategien werden Sie diesbezüglich verfolgen? 
Als zukünftiger Schulpräsident stehe ich hin und bin präsent, weil mich die Anliegen aller Beteiligten interessieren. Gute Führung beginnt für mich immer mit wertschätzendem Zuhören und einer sorgfältigen Wahrnehmung. Wer Beweggründe versteht und Bedürfnisse ernst nimmt, kann mit gutem Gewissen vorangehen.

Michael Stäheli-Engel steht für Stabilität und Konstanz auf Führungsebene, für eine konstruktive Kommunikation und die Weiterführung der strategischen Ziele der VSG Amriswil-Hefenhofen-Sommeri.
Michael Stäheli-Engel steht für Stabilität und Konstanz auf Führungsebene, für eine konstruktive Kommunikation und die Weiterführung der strategischen Ziele der VSG Amriswil-Hefenhofen-Sommeri. (Bild: tas)