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«Ich bin kein Schulinsider – das ist ein Vorteil»

18. Februar 2021
Seit 12 Jahren ist Andreas Müller stellvertretender Stadtschreiber und Kulturbeauftragter der Stadt Amriswil. Jetzt möchte der zweifache Familienvater und ausgebildete Journalist an die Spitze der Schulbehörde.

Herr Müller, waren Sie ein guter Schüler? 
Oh, das Interview fängt ja gut an. (lacht) Ich war ein durchschnittlich guter Schüler. In Mathe und in den Sprachen war ich recht stark. Aber ich gebe zu, ich hatte in Chemie auch mal eine ungenügende Note im Zeugnis. Aber so weiss ich auch, wie es sich anfühlt, wenn man nicht nur Bestnoten nach Hause bringt und easy durch die Schule rauscht. Ich glaube, so bin ich auch sensibilisiert für SchülerInnen, für welche die Schule nicht nur ein Zuckerschlecken ist. 

Sind Sie gerne zur Schule gegangen?
Ja, ich ging gerne zur Schule. Ich hatte wohlwollende Lehrer, die uns sehr viel auf unseren Lebensweg mitgaben.

Wann und wieso kam der Entschluss für die Kandidatur?
Als 2016 der Nachfolger von Markus Mendelin gesucht wurde, habe ich mich auf die öffentlich ausgeschriebene Stelle beworben. Ich habe das mehrstufige umfangreiche Auswahlverfahren mit dem dazugehörenden Assessment, das mir unter anderem Belastbarkeit und Führungskompetenzen attestiert, erfolgreich bestanden. Ich war damals die Nummer 2. Als mich im Sommer 2020 mehrere Personen (Politiker und aus dem Umfeld der Schule) angefragt haben, ob ich als Herausforderer des amtierenden Schulpräsidenten antreten wolle, habe ich mir das natürlich gut überlegt. Nach vielen Gesprächen mit politischen, schulinternen und -nahen Persönlichkeiten habe ich mich Ende September entschieden, als Schulpräsident zu kandidieren.

Wieso sind Sie der Richtige, für das Amt?
Ich bin kein Schulinsider. Das ist ein Vorteil, davon bin nicht nur ich überzeugt. Die Aussensicht ist sehr wichtig. Der Schulpräsident ist weder Schulleitungs- noch Lehrperson. Er soll ein Schulpräsident für alle sein. Auch für Partner, wie Eltern, Gewerbe, Industrie und Politische Gemeinden, für Sport und Kultur. Und ich kenne den Weg der dualen Bildung, den 90 Prozent aller SchülerInnen der VSG einschlagen. Zudem bin ich ein Teamplayer mit Führungserfahrung, ich bin sehr gut vernetzt und weiss aus langjähriger Erfahrung, wie eine Behörde und eine Verwaltung funktionieren.

Angenommen, Sie werden gewählt. Worin sehen Sie Herausforderungen? 
Die aktuellste Herausforderung ist auch für die Volksschule die Corona-Pandemie und die Schlüsse, die man daraus ziehen muss. Zum Beispiel das Bewahren der Erfahrungen aus dem digitalen Unterricht. Schwerpunktthema wird auch die Stärkung der Frühen Förderung sein, welche den Schuleintritt für Kinder und Kindergärtnerinnen erleichtert! Zu allererst muss sich aber die neue Schulbehörde organisieren, Ziele setzen und diese plausibel kommunizieren.

Was liegt Ihnen als Schulpräsident besonders am Herzen?
Ein motivierendes und nachhaltiges Bildungsangebot und eine Schulkultur, die SchülerInnen, Lehrpersonen und Eltern begeistert.

Was denken Sie, ist für die SchülerInnen in der heutigen Zeit speziell wichtig?
Die Schule soll Erfolgsmodelle für den Lebens- und Berufsalltag vermitteln.

Was möchten Sie den Kindern mit auf den Weg geben? 
Lernen und Bildung hört nicht nach der offiziellen Schulzeit auf. «Bleibt also dran und seid offen für Neues!»

Wie bereiten Sie sich auf die Aufgaben als Schulpräsident vor? 
Ich habe bereits mit vielen Personen aus dem Umfeld der Bildungslandschaft und der Volksschule Amriswi-Hefenhofen-Sommeri gesprochen und mich informiert. Wenn ich gewählt werde, intensiviere ich diese Gespräche.

Mit welchen Problemen hat die VSG aktuell zu kämpfen?
Aus diesen eben erwähnten Gesprächen habe ich erfahren, dass die Kommunikation gegen innen und gegen aussen nicht immer optimal funktioniert.

Wie würden Sie diese angehen? 
Nicht nur als ehemaliger Journalist, sondern auch aktuell als Kulturbeauftragter und Stadtschreiber-Stellvertreter weiss ich, dass eine gute, transparente Kommunikation nach innen und aussen, Vertrauen und Klarheit schafft. Ich möchte alle ins Boot holen. 

Es wäre möglich, dass Sie nach vierjähriger Amtszeit wieder abgewählt würden. Was dann? 
Ich werde alles tun, um die Volksschulgemeinde gemeinsam mit der Schulbehörde und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorwärts zu bringen und bin überzeugt, dass wir erfolgreich sein werden.

Von Seiten FDP wurden Sie beide streng bewertet. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Konstruktive Kritik kann ich problemlos annehmen und reflektieren.

Sehen Sie einen Nachteil darin, dass es keine öffentlichen Hearings oder  Podiumsdiskussionen geben kann?
Gerne hätte ich an öffentlichen Hearings im direkten Kontakt mit Menschen mehr von mir gezeigt. Aber die Situation ist wie sie ist. Da kann man nichts ändern. Ich habe die Webseite www.andreasmueller2021.ch deshalb nicht nur mit Informationen 
bestückt, sondern so gestaltet, dass man mich auch persönlich besser kennen 
lernen und auch kontaktieren kann.

Welche Auswirkungen könnte dies auf die Wahl haben? 
Das kann ich nicht beurteilen.

Wie versuchen Sie, WählerInnen zu erreichen? 
So gut es in dieser Zeit möglich ist, gerne persönlich. Aber natürlich bin ich auch auf den Sozialen Medien präsent.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Ich hoffe, dass die WählerInnen sehen, wie wichtig die Aussenansicht für das Amt des Schulpräsidenten ist. Und hoffentlich spüren sie auch, dass ich diese Aufgabe mit Herz und Elan angehen werde.

Und wie schätzen Sie Ihren Kontrahenten ein?
Michael Stäheli-Engel habe ich als Fach-Experten kennen gelernt.

Eine der Anforderungen an den Schulpräsidenten ist die Führungskompetenz. Welche Strategien werden Sie diesbezüglich verfolgen? 
Aktiv zuhören können, ist sehr wichtig. Ich werde offen auf alle zugehen, Gespräche führen, Fragen stellen und Antworten analysieren. In der VSG machen alle einen guten Job und ich tue alles dafür, dass das so bleibt. 

Andreas Müller wird sich als Schulpräsident für die Förderung einer nachhaltigen und gut vernetzten Bildungslandschaft sowie für ein konstruktives Zusammenwirken von Schule, Gewerbe und Wirtschaft einsetzen.
Andreas Müller wird sich als Schulpräsident für die Förderung einer nachhaltigen und gut vernetzten Bildungslandschaft sowie für ein konstruktives Zusammenwirken von Schule, Gewerbe und Wirtschaft einsetzen. (Bild: tas)