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Trotz oder wegen Corona: Camping ist erfolgreicher als 2019

10. September 2020
Diesen Sommer gab es einen regelrechten Ansturm auf den Campingplatz, das Strandbad und die Badi. Die verkürzte Saison war ein Erfolg.

Der eine oder andere mag sich vielleicht noch an Ueli Maurers Aufruf im Mai erinnern. «Machen Sie Ferien in der Schweiz», animierte der Bundesrat die Parlamentarier dazu, mit gutem Beispiel voranzugehen und nach dem Lockdown den Tourismus und die Wirtschaft im eigenen Land zu unterstützen. 

Der Aufforderung sind offenbar nicht  nur National- und Ständeräte gefolgt, sondern die gesamte Schweizer Bevölkerung. Zumindest zeigte sich dieses Bild während der Sommerferien, wenn man durch den Campingplatz und das Strandbad Amriswil in Uttwil schlenderte. Autos aus Bern, aus der Waadt, aus Zürich – ein kunterbunter Mix aus Schweizer Touristen verbrachte eine Auszeit am Bodensee. Das offenbart sich nun, da sich die Saison dem Ende zuneigt, auch in den Zahlen. Andreas Fässler, Mitglied der Strandbadkommission, sagt: «Wir sind äusserst zufrieden mit der Auslastung des Campingplatzes, zumal sich der Umsatz derzeit schon auf Vorjahresniveau bewegt. Und das, obwohl der Camping rund vier Wochen später eröffnet wurde als gewöhnlich». 

Vorjahresumsatz bereits erreicht
Zum Vergleich: Die Umsätze durch Touristencamper betrugen 2019 insgesamt 97'000 Franken und vor zwei Jahren 80'000  Franken. Dieses Jahr, knapp drei Wochen vor Saisonende und abzüglich vier Wochen Eröffnungsverspätung aufgrund des Lockdowns, sind bereits 98'500 Franken erreicht.

Dass der Campingplatz diesen Sommer besonders gut gelaufen ist, bemerkte auch Platzwart Sabino Ciarla an vorderster Front. «Wir hatten innerhalb von zwei Monaten so viele Leute wie in der ganzen Saison 2019. Und auch jetzt sind wir noch jedes Wochenende ausgebucht. Teilweise sind wir ganz schön ins Schwitzen geraten, weil es so viel zu tun gab.» 

Fast acht von zehn sind Schweizer
Ebenfalls aufgefallen ist Ciarla der hohe Anteil Inland-Touristen. Gemäss Andreas Fässler stehen heuer 75 Prozent Schweizer 25 Prozent Ausland-Touristen gegenüber, in anderen Jahren zeigte sich das Verhältnis 60:40. 

Bis heute gut besucht ist auch das Strandbad-Restaurant, sagt Remo Volmar, der mit seinem Team erst sieben Wochen später eröffnete als geplant. «Zugute kam uns das Wetter in der Hauptsaison, das uns viele Gäste bescherte», erklärt der Wirt. Und die hohe Anzahl Gäste bricht selbst jetzt im September nicht ein. «Solange das schöne Wetter hält, dürfte es so weitergehen», schätzt Volmar. Bleibt also zu hoffen, dass sich die Sonne bis zum Saisonende mit Metzgete vom 1. bis 4. Oktober noch öfter blicken lässt.

45'000 Eintritte verkauft
Von einer gelungenen Saison spricht man derweil nicht nur am See in Uttwil, sondern auch in der Amriswiler Badi, die zwar nicht von Touristen, allerdings von daheimgebliebenen Amriswiler Familien profitieren konnte, die in der Schulferienzeit aufs Reisen verzichtet haben. Gemäss Bademeister Daniel Schönenberger kann das Schwimmbad trotz vier Wochen verspäteter Eröffnung 45'000 Eintritte verbuchen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 52'000. «Ein grosser Teil der Amriswiler hat die Sommerferien offenbar hier verbracht», erklärt sich Schönenberger den Erfolg. Die Obergrenze von 2000 Personen im Schwimmbad sei natürlich nie überschritten worden. Insgesamt seien auch die restlichen besonderen Hygienemassnahmen – zum Beispiel das Aufstellen und Nachfüllen von Desinfektionsmittelspendern – ohne Probleme machbar gewesen.

Im Gegensatz zum Campingplatz lassen die Gäste in der Badi nun nach. «Wenn es aber wieder etwas wärmer wird, kann es schon sein, dass es noch einmal einen guten Baditag gibt», mutmasst Schönenberger. Lange haben Schwimmer und Sünneler dieses Jahr  aber nicht mehr Zeit, um die Infrastruktur zu nutzen: Saisonende ist am Sonntagabend, 20. September. Denn eine Verlängerung ist – wie auch auf dem Campingplatz –nicht vorgesehen. (seh)

Badi statt Pool in der Hotelanlage, See statt Meer und Sandstrand: Das hiess es diesen Sommer für viele Schweizerinnen und Schweizer.
Badi statt Pool in der Hotelanlage, See statt Meer und Sandstrand: Das hiess es diesen Sommer für viele Schweizerinnen und Schweizer. (Bild: seh)