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Ab Samstag ist Amriswil Fair Trade Town

20. August 2020
Am Samstag, 22. August, wird gefeiert: Die Stadt Amriswil darf sich neu mit dem Attribut «Fair Trade Town» schmücken. Zu verdanken ist das einer engagierten Arbeitsgruppe.

Die meisten Fair Trade Towns in der Schweiz entstehen auf Initiative der Gemeinde, die anschliessend eine Arbeitsgruppe ins Leben ruft. In unserer Stadt war das etwas anders: Eine achtköpfige Gruppe engagierter Amriswilerinnen und Amriswiler hat sich vor mehr als zwei Jahren selbst formiert und begonnen, zielstrebig auf die Auszeichnung hinzuarbeiten. Das hat den Stadtrat dann auch dazu bewogen, mitzuziehen und das Vorhaben zu unterstützen – was nun in der Auszeichnung gipfelt. 

Und nicht nur das: Ab Samstag ist Amriswil die erste und einzige Gemeinde im Kanton, die sich Fair Trade Town nennen darf. «Eine grossartige Leistung, die in unzähligen Stunden Freiwilligenarbeit vollbracht wurde», lobt Stadträtin Sandra Reinhart, die dem Ressort Energie, Natur und Umwelt vorsteht. Die nächstgelegene Fair Trade Town ist Gossau SG, danach muss man bereits nach Glarus Nord fahren, um eine Gemeinde mit Auszeichnung zu finden; wenngleich inzwischen vielerorts darauf hingearbeitet wird.

Lokale Betriebe sollen mitziehen
Doch wann darf man sich überhaupt Fair Trade Town nennen? Die Kampagne wird vom Dachverband Swiss Fair Trade und seinen Mitgliedsorganisationen getragen, welche die Auszeichnung jenen Bewerber-Gemeinden verleihen, die sich besonders für den fairen Handel einsetzen. Eine Arbeitsgruppe steuert den kommunalen Prozess und strebt die Erfüllung von fünf Kriterien an. Dazu gehört unter anderem, dass sich die Stadt selbst zu fairem Handel bekennt, lokale Detaillisten und Gastrobetriebe einige faire Produkte anbieten und die Bevölkerung immer wieder über die Presse oder Veranstaltungen zum Thema informiert wird.

Die Massnahmen, welche Betriebe oder die Stadt umzusetzen haben, sind niederschwellig: Das kann beispielsweise Kaffee aus fairem Handel sein, das Schöggeli dazu oder die Bananen auf dem Pausentisch. Zusammengefasst: Produkte, die gezwungenermassen von Übersee kommen, sollen durch solche aus fairem Handel ersetzt werden. In Amriswil ziehen inzwischen mehr Institutionen, Geschäfte und Gastrobetriebe mit, als die Auszeichnung eigentlich erfordern würde. Mit dabei sind die evangelische Kirche, das Alters- und Pflegezentrum Amriswil, der Hauswirtschaftsunterricht der Sekundarschule, der ISA-Fabrikladen und der ISA-Betrieb, das Mineraliengeschäft «Im Rägeboge», das Bistro Cartonage, das Wasserschloss Hagenwil, das Kiebitz-Café und der Kiebitz Lebensmittelladen, das Bistro Du & Ich, das Airbnb von Sandra Jud und Johannes Schubert, Bio Welt, der Migros-Supermarkt, Coop und Lidl. 

Plattform mit Aussenwirkung
Gerade in der Gastronomie war von Seiten der Arbeitsgruppe immer wieder viel Überzeugungskraft vonnöten, weiss Mitglied Jennifer Baldissera: «Das anfängliche Zögern ist aber verständlich. Ein Gastrounternehmer muss erst einen Händler finden, der ihm die gewünschten Produkte liefert.» Es gebe auch Restaurants und Cafés, die an Lieferanten gebunden seien. «Wir gehen aber davon aus, dass zu den jetzigen Betrieben einige andere dazu stossen werden; auch, weil die Auszeichnung eine gute Plattform bietet», ergänzt Baldissera. Sandra Reinhart sieht in der Teilnahme der Restaurants kein Opfer, sondern vielmehr einen Marketing-Vorteil für die Betriebe selbst: «Es ist nicht zu unterschätzen, dass solche Massnahmen für ein Restaurant oder ein Café eine enorm gute Aussenwirkung haben.»

Auszeichnungsfeier und Markt
Nach getaner Arbeit darf die Arbeitsgruppe jetzt erst einmal feiern – zusammen mit der Stadt und der ganzen Bevölkerung. Am Samstag, 22. August, findet im Kulturforum und im Villagarten an der Bahnhofstrasse 20/22 von 10 bis 16 Uhr ein Nachhaltigkeitsmarkt mit allerhand spannenden, fair hergestellten Artikeln sowie einem kulinarischen Angebot und musikalischer Unterhaltung statt. Mit dabei sind unter anderem die Ludothek, die evangelische Kirchgemeinde, das Bistro Cartonage, Kiebitz, Biowelt, die Jugendkommission mit dem Kleidertausch, Siri Kirchmann und Ursula Rohner mit Glasupcycling und viele mehr. Im Rahmen des Marktes findet auch die Auszeichnungsfeier mit allen Beteiligten statt, und zwar um 13.15 Uhr. Die Bevölkerung  ist herzlich eingeladen, unter den derzeit geltenden Hygienevorschriften und mit Abstandsregelung mitzufeiern. (seh)

Mehr unter fairtradetown.ch/de/amriswil

 

Fair-Trade-Kaffee: Den gibt es inzwischen nicht nur im Stadthaus, sondern auch in vielen Amriswiler Restaurants.
Fair-Trade-Kaffee: Den gibt es inzwischen nicht nur im Stadthaus, sondern auch in vielen Amriswiler Restaurants. (Bild: Adobe Stock)